die meisten Wurzel behandelten Zähne überleben nicht 10 Jahre

Wieso verliert man einen Wurzelbehandelten Zahn häufig

Laut Statistik überleben die meisten Wurzel behandelten Zähne keine 10 Jahre, dass liegt aber nicht an dem Verfahren, sondern weil die Durchführung nicht laut Lehrbuch durch geführt wird. Seit gut 30 Jahren hat sich an der Durchführung einer Wurzelbehandlung nichts verändert (Guldener H.A. Endodontologie, 1. Auflage Thieme 1982). Die Wurzelbehandlung wird aber nicht so durch geführt und somit ist die klassische Zahnkarriere immer die gleiche: kleine Zahnfüllung > große Zahnfüllung > Wurzelbehandlung > Wurzelspitzenresektion > Zahnextraktion.

Was ist ein Endodontologe?

Ein Zahnarzt, der sich auf Endodontie spezialisiert hat, wird als Endodontologe bezeichent. In den meisten Ländern ist das eine Zusatzausbildung neben dem regulärem Zahnmedizin Studium. In einigen dieser Länder ist die Bezeichnung Endodontologe ein geschützter Titel, in anderen Ländern wiederum nicht.

Was ist Endodontie?

Endodontie ist die lateinische Bezeichnung für Wurzelbehandlungslehre. Kommt es einmal zu einem absterben des Zahnnervs, dann kann durch eine gute Wurzelbehandlung der Zahn gerettet werden, dem gegenüber kann eine schlechte Wurzelbehandlung, auch erst nach Jahrzehnten Probleme verursachen. Werden bei Ihnen immer wieder Zähne wurzelbehandelt, Wurzelspitzen reseziert und/oder Zähne extrahiert, dann ist ein Besuch bei einem Endodontlogen sicher ratsam! Zwar ist solch eine Wurzelbehandlung von einem Fachmann mit Mehrkosten verbunden, unterm Strich gesehen aber sparen Sie sich Geld und Zeit, denn es bleiben Ihnen frustrane Nachbehandlungen und Folgekosten in der Regel erspart.

Was ist eine Wurzelbehandlung?

Der umgangssprachlich bezeichnete“ Zahnnerv“ besteht aus Blutgefäßen, Lymphgefäßen, Bindegewebe und Nervengewebe – der Arzt spricht vom Endodont. Das Zahnbein (Dentin) ist von kleinen Kanälen durchsetzt, die mit dem Zahnnerv in direkter Verbindung stehen. Je größer ein Zahndefekt, desto größer ist die Dentinwunde und die Wahrscheinlichkeit einer Entzündungsreaktion des Zahnnervs steigt. Wird der Zahnnerv übermäßig gereizt, dann entsteht eine Entzündungsreaktion, diese führt in der Regel zum Absterben des Zahnnervs – des Endodonts. Die Entfernung des Endodonts und die medizinische Versorgung des Wurzelkanals wird dann als Wurzelbehandlung bezeichnet.

Wieso Wurzelbehandlung?

Die häufigste Ursache der Endodont Reizung ist Karies, eine durch Bakterien verursachte Erkrankung, aber auch das bohren am Zahn kann zu einer Reizung des Zahnnervs führen. Karies und immer größer werdende Füllungen sind nicht die einzigen Gründe, wieso es häufig zu Wurzelbehandlungen kommt, auch physikalische Schäden, wie zum Beispiel zu viel Hitze beim Zahnbeschliff, kann eine Wurzelbehandlung zur Folge haben, auch diverse Chemikalien bei Füllungslegung, oder aber eine lange Zeit nicht behandelte Parodontitis, kann Schäden am Zahnnerv verursachen. Somit unterscheidet man infektiöse Ursachen (Bakterien), von physikalisch/chemische Schädigungen (Hitze, Chemikalien). Eine Zahnnerventzündung kann unbehandelt und/oder unsachgemäß behandelt in weiterer Folge, auch nach Jahrzehnten, zur Knochenentzündung führen.
 Deshalb sollte an Zähnen so wenig wie möglich gebohrt und hantiert werden, um Wurzelbehandlungen und deren mögliche Folgekomplikationen zu verhindern.

Folgen eines zerstörten Endodonts

Vorweg ein bisschen über unser Immunsystem. Unsere Immunzellen sind in der Lage körperfremde, als auch körperschädigende Strukturen zu erkennen und zu eliminieren. So genannte „Markierungszellen“ erkennen und markieren fremde Strukturen (z.B. Bakterien, tote Zellen, Zellreste, Viren, Pilze). Anschließend erkennen “Fresszellen“ diese Markierungen und entfernen diese Elemente. Die Entzündung ist gebannt. Für eine Immunreaktion werden also Immunzellen benötigt, diese befinden sich im Blut. Im Bereich des Entzündungsherdes muss also Blut sein, damit dieser gut „bekämpft“ werden kann. 
Im zerstörtem Endodont befinden sich keine Blutgefäße mehr, erst im Knochen wieder. Bei bakterieller Infektion des Endodonts im Zuge einer Karies, haben Bakterien ideale Bedingungen sich zu vermehren – sie sind sozusagen vor dem Immunsystem in der „Kalkhöhle“ des Zahnes vor dem Immunsystem geschützt. Sie ernähren sich von Zellresten und vermehren sich ungestört.
 Irgendwann ist die Zellzahl so groß, dass sich die Bakterien in den Knochen über eine kleine Öffnung an der Wurzelspitze ausbreiten – es kommt zur Knochenentzündung. Der Körper ist nun häufig nicht mehr in der Lage, mit der großen Bakterienzahl fertig zu werden. Die Entzündung schreitet voran und es kommt zu akuten klinischen Symptomen (Schmerzen). 

Aber auch die Abwesenheit von Bakterien kann zu einer Entzündung des umliegenden Knochens führen. Ist viel Zahnnervengewebe aufgrund der Wurzelkanalanatomie vorhanden, dann kann das „faulende” – der Arzt sagt “nekrotische“ – Gewebe, das Immunsystem überlasten und eine Entzündung an der Wurzelspitze auslösen, auch wenn keine bakterielle Infektion vorliegt. Deswegen ist nicht nur Karies Auslöser einer Knocheninfektion, auch bei physikalisch/chemischer Schädigung des Endodonts, kann eine Knocheninfektion um die Wurzelspitze die Folge sein. Das zerfallendes Endodont selbst, man spricht von einer Nekrose, kann also auch eine Knochenentzündung verursachen. Somit hängt die Entzündungswahrscheinlichkeit des Knochens von verschiedenen Faktoren ab:

  • Zugänglichkeit des Immunsystems
  • Immunstatus des Patienten
  • Art, Menge und Aggressivität der auslösenden Ursache
  • lokale Faktoren (Anatomie, Vorteile der Mikroorganismen,…)

Ziel einer Wurzelbehandlung?

Das abgestorbene Endodont muss aus dem Zahninneren entfernt werden und das bis zur Wurzelspitze! Der Zahnhohlraum muss sauber und möglichst keimfrei sein, denn nur so kommt es zu keiner Ausbreitung der Entzündung in den umliegenden Knochen. Der Zahn ist zwar ein Mineral, also fast wie ein „Stein“ und somit „leblos“, von dem Hohlraum aber in dem das Endodont war, führen viele kleine Seitenkanäle quer durch den Zahn. Dieses „Kammersystem“ beinhaltet also Gewebe und bietet Bakterien somit Nährstoffe und zudem einen idealen Schlupfwinkel vor unserem Immunsystem – den Immunzellen kommen in den Zahnhohlraum nicht mehr hin, da ja auch kein Blut mehr hinkommt! Ziel der Wurzelbehandlung ist es also, diese Kanäle so sauber wie möglich zu bekommen, damit sich ja keine Bakterien in ihnen vermehren können. Meistens wird nur der „Haupthohlraum“ des Endodonts mit Wurzelfüllmaterial abgefüllt. Das ist in der Regel ausreichend, denn wird bei einer guten Wurzelbehandlung sauber gearbeitet dann gelangen keine zusätzlichen Bakterien in das Wurzelkanalssystem. Durch lange Spülung des Hauptkanals mit diversen Chemikalien werden zudem vorhanden Keime in den kleinen Seitengängen abgetötet. Durch Füllung des Hauptkanals wird vorhandenen Restbakterien der Gar aus gemacht, denn sie werden von Nährstoffen abgeschnitten – der Zahn ist gerettet! Sauberes Arbeiten gelingt aber nur bei Verwendung von Kofferdam, sterilen Wurzelkanalinstrumenten und optischer Vergrößerung. Kommt nur ein wenig Speichel in den eröffneten Zahn, so ist das Arbeitsgebiet wieder mit unzähligen Bakterien kontaminiert, denn im Speichel befinden sich sehr viele Bakterien. Deswegen sollte eine Wurzelbehandlung immer nur mit Kofferdam, Lupenbrille und sterilen Instrumenten erfolgen, nur so kann der Hauptkanal gut homogen dicht und keimfrei bis zur Wurzelspitze abgefüllt werden. Erfolgt die Wurzelfüllung nicht bis zur Wurzelspitze, oder nicht keimfrei, dann besteht die Gefahr, dass übrig gebliebene Bakterien sich wiederum vermehren können und so später, auch nach Jahrzehnten eine Entzündung im Knochen verursachen. Zusammengefaßt sind die Ziele der Wurzelbehandlung also:

  • alle Kanäle müssen vom Wurzelkanalgewebe samt eventuell vorhandenen Bakterien befreit werden
  • um eine optimale Füllung der „Kalkhöhle“ zu gewährleisten, müssen glatte konische Wurzelkanalwände hergestellt werden
  • chemisch–medikamentöse Keimreduktion/-elimination in der aufgearbeiteten „Kalkhöhle“
  • kein Einschleppen von neuen Keimen z.B. aus dem Speichel, oder durch unsterile Instrumente
  • dichte Füllung der Kanäle, um eventuell vorhandenen Restkeimen den „Lebensraum“ zu nehmen

Endodontologe Kosten

Dieses Vorgehen bei einer Wurzelbehandlung ist mit erheblichen mehr Aufwand an Zeit und Material verbunden. Die meisten Pflichtversicherungen – Krankenkassen – vergüten nur einen gewissen Teil, deswegen wird häufig von Ärzten und Kassen über Standards bei Wurzelbehandlungen diskutiert. Die Diskussion wird falsch geführt, denn die Behandlungsrichtlinien einer Wurzelbehandlung sind aufgrund der Datenlage klar definiert. Es geht aber nicht um die Standards, sondern welchen Aufwand Pflichtversicherungen abdecken sollten. Patienten, Ärzte und die Angestellten von Kassen vergessen, dass jeder einzelne von uns, die Kasse ist. Wir alle sind die Pflichtversicherung, es ist unser Geld, die Kassen sollten daher eine gute Grundversorgung bieten, denn besser eine “Grundversorgung bei Wurzelbehandlungen”, als keine Wurzelbehandlungen, wer aber Behandlungsstandards nach dem letzten Wissensstand in der Endodontologie wünscht, sollte selber dafür zahlen und nicht andere dafür zahlen lassen.

Kann man Wurzelbehandlungen verhindern?

Gute häusliche und professionelle Mundpflege, zusammen mit guten zahnärztlichen Materialien (Keramik, Gold, oder Titan) bei Zahnfüllungen, hilft Schaden von Ihren Zähnen zu bewahren. Nur die Verwendung von teuren Materialien und Versorgung wie Kronen und Inlays, ohne Änderung Ihrer häuslichen Putztechnik bringt gar nichts, denn auch die besten Kronen und die schönsten Inlays, werden bei schlechter Mundhygiene wieder undicht und/oder die Zähne kariös. Nur die Umstellung der häuslichen Zahnpflege und belassen günstiger Füllmaterialien (Kunststoffe, Amalgame, Zemente) nützt ebenfalls wenig, denn trotz bester Mundhygiene werden diese Füllmaterialien nach einigen Jahren wieder undicht, wieder muss gebohrt werden und wieder erfolgt ein Füllungswechsel, die Gefahr der „Zahnnervreizung“ steigt bei jedem Mal. Deshalb ist es wichtig sich ein wenig mit der richtigen Putztechnik und Materialkunde auseinander zusetzten – denn die beste Wurzelbehandlung ist keine Wurzelbehandlung!

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